Featured image of post Digitaler Bilderrahmen

Digitaler Bilderrahmen

Im Rahmen des durch Corona aufgezwungenen Social Distancing kam die Idee, einen digitalen Bilderrahmen anzuschaffen, auf dem auch Verwandte und Freunde aus der Ferne Fotos hochladen können. Nach einer kurzen Suche habe ich mehrere kommerzielle Produkte gefunden. Aber meine Fotos auf irgendeinem Server bei irgendeiner Firma hochzuladen, unter Umständen noch mit monatlichen Kosten, klang nicht so verlockend.

Bei meiner zweiten Suche konzentrierte ich mich auf Eigenbauprojekte und wurde auch hier schnell fündig: ein Raspberry Pi, ein alter Monitor, Bilderrahmenleisten und fertig ist der digitale Bilderrahmen…

Software

Jedoch hatten alle Projekte gemeinsam, dass dort Raspbian oder eine andere Distribution verwendet wurde und dann mit vielen manuellen Schritten das System auf den Anwendungsfall angepasst wurde:

  • Pakete nachinstallieren
  • Konfigurationen anpassen
  • Skripte erstellen

Dieses Vorgehen hat sich jedoch schon bei meinem letzten Projekt als sehr fehleranfällig erwiesen. Und sollte einmal die SD-Karte den Geist aufgeben, fängt man wieder von vorne an. Daher habe ich mich entschieden, ein eigenes Betriebssystemimage zu erstellen. Als Basis habe ich thingOS gewählt, welches ich schon von meiner Hühnerstallüberwachungskamera kannte.

Das Ergebnis ist photOS: Ein sehr kleines GNU/Linux Image, welches sich automatisch neue Bilder von einem WebDAV Share (in meinem Fall Nextcloud) holt. Die Installation ist auch ohne GNU/Linux-Kenntnisse möglich und ist auf der Projektseite beschrieben.

Hardware

Der Bilderrahmen besteht lediglich aus drei Hauptkomponenten: Das Display, der Rechner und ein Rahmen um alles zusammen zu halten.

Display

Als Display kann ein alter Monitor ausgeschlachtet werden. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass der Monitor ein IPS-Panel hat, um auch aus verschiedenen Blickwinkeln die Bilder mit gutem Kontrast darstellen zu können. Auch das Seitenverhältnis sollten dem der Fotos in etwa entsprechen, um nicht zuviel vom Inhalt abschneiden zu müssen. Wer viel mit Kameras fotografiert (4:3) ist gut mit einem 16:10 Monitor beraten. Anders sieht es aus, wenn viele Bilder mit dem Smartphone gemacht werden. Das passende Seitenverhältnis ist aber nicht sehr kritisch: Wenn mehr als 70% der Fotos sichtbar ist, schneidet photOS das Bild zu, damit der gesamte Monitor gefüllt ist. Nur wenn mehr wegfallen würde, wird das gesammte Bild dargestellt und der Rest mit schwarzen Balken aufgefüllt.

Ich konnte auf einen gebrauchten Fujitsu B22W-7 Monitor zurückgreifen. Leider mit einem TN-Panel statt IPS, Bild ist aber trotzdem schon ansehnlich. Und da dieser auch einen USB-Hub integriert hat, konnte ich mit ein wenig Bastelei 5V Spannungsversorgung für den Raspberry Pi abgreifen und musste nicht noch ein zusätzliches Netzteil nutzen.

Rechner

Da photOS direkt in den Framebuffer rendert und keinen Umweg über X oder Wayland geht, ist ein Raspbery Pi Zero W (Wifi sollte schon an Board sein) völlig ausreichend. Hat man ein Display mit einer Auflösung über 1920x1200 Bildpunkte, muss es jedoch ein Raspberry Pi 4 oder ein anderer Einplatinenrechner sein.

Rahmen

Nun fehlte nur noch ein ansehnlicher Rahmen für den Monitor. Leider konnte ich keine passenden Bilderrahmenleisten finden. Der Falzausschnitt (der Bereich, der das Bild / den Monitor verdeckt) war immer zu klein. Mein Monitor hat einen Blechrahmen von etwa 10mm, der komplett hinter dem Holzrahmen verschwinden sollte. Daher habe ich mich mit meiner neuen Oberfräse ausgetobt, welche der Weihnachtsmann glücklicherweise schon vor Weihnachten vorbeigebracht hatte.

Danke Weihnachtsmann
Danke Weihnachtsmann
Die erste Dekokante
Die erste Dekokante

Da der Monitor mit Netzteil schon ein wenig Gewicht mitbringt, habe ich die Rahmenteile mit Flachdübel verbunden und gut verleimt.

Fertige Leisten
Fertige Leisten
Puzzle zusammenlegen
Puzzle zusammenlegen
Verleimen
Verleimen
Glück gehabt, es passt!
Glück gehabt, es passt!

Das Display halte ich hinten mit zwei Leisten, welche ich mit dem Rahmen verschraubt habe. Ich bin davon ausgegangen, dass ich das Display gerade in der Testphase noch häufiger ausbauen muss. Daher habe ich Versenkmuttern und M4-Schrauben genutzt habe, anstatt die Leisten und den Rahmen mit Holtschrauben zu verbinden. Dies hatte auch den Vorteil, dass ich an der oberen Verschraubung gleich Ösen zur späteren Aufhängung nutzen konnte:

Verschraubung mit Versenkmuttern
Verschraubung mit Versenkmuttern

Der soziale Aspekt

Wie eingangs erwähnt, sollen auch Freunde und Verwandte die Möglichkeit bekommen, aus der Ferne Fotos auf unseren Bilderrahmen aufzuspielen. Hier kommen die Vorteile von Nextcloud als WebDAV-Server zum tragen: Ich teile den Fotoordner und andere können komfortabel per Browser, Smartphone-App oder Desktopsynchronisierung Fotos hinzufügen. Und Freunden ohne Nexcloud-Account sende ich einen Link für anonymen Upload.

Geschafft
Geschafft